Berufsgemeinschaft der Pfarrhaushälterinnen
der Erzdiözese Wien

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Exerzitien November 2009 in St. Gabriel bei Mödling
Bericht - Zambo
Frauen in der Bibel - Elfriede Blahacek
Fotos und Zeichnungen: Kopeszki

- dieses Thema lockte mich (gemeinsam mit 10 anderen Kolleginnen) zu den Exerzitien für PHH in das Bildungshaus St.Gabriel.


P.Salmen von den Steyler Missionaren war uns in diesen Tagen ein freundlicher, weiser und aufgeschlossener Leiter und Begleiter, der uns die biblischen Frauengestalten auf lebendige und interessante Weise nahebrachte.

Am Beginn machte er uns darauf aufmerksam, dass wir während der Exerzitien zwar frei vom Alltag und nicht in unserer "Normalsituation" wären, aber doch vieles mitgebracht hätten, das vielleicht noch in uns gären, uns beschäftigen würde. Das alles sollten wir nicht verdrängen, sondern Gott hinlegen im Vertrauen auf Seine Annahme und Hilfe.

Wichtig sei die Bereitschaft zu hören, was Gott in diesen Tagen in jeder von uns wecken wolle, und herauszufinden, wo "unser" ("mein") Platz in den biblischen Frauengeschichten sei.

Einen Abschnitt aus der Schrift stellte P.Salmen den Exerzitien voran:

Offb 3,20: Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten.
Gott selbst klopft also an: er respektiert die menschliche Freiheit, zu öffnen und Mahl (=Eucharistie) zu halten, oder abgeschirmt, unerreichbar zu bleiben; der Schlüssel steckt innen! Exerzitien sind eine Herausforderung, Gott und mir selbst nicht auszuweichen; eine Chance, zu entdecken, wo ich mich in den biblischen Texten finden kann, wo ich mich etwas sagen höre. P.Salmen legte uns nahe, die Schriftstellen so zu lesen, dass sie für uns Antworten Gottes auf unsere Fragen sind und regte als "Aufgabe" an: "Welche Fragen formuliere ich für mich und mein Leben, damit ich diese Texte als Antwort Gottes verstehen kann?"
Eva - Urbild der Frau (Gen 1,26-2,4a; Gen 2,21-25; Gen 3,16; Gal 3,28)

Eva ist die erste Frau, die in der Bibel erwähnt wird. Der Mensch ist von Gott als Sein Abbild und Ebenbild, als antwort-fähiges Wesen geschaffen, das aus dem Wort der schöpferischen Liebe Gottes lebt. Adam und Eva sind aufeinander bezogen, sollen füreinander da sein in fundamentaler Gleichgestelltheit. Sie bilden eine Einheit im dreifaltigen Gott, der mit den Menschen eine gleichwertige Partnerschaft eingeht. Der Sündenfall zerstört diese Einheit. Solidarität, Gleichheit und Vertrauen zwischen Mann und Frau sind zerbrochen (der Mann schiebt die Schuld an der Sünde auf die Frau); auch das Vertrauen zwischen Mensch und Gott ist zerstört.

Woher kommt die große Einsamkeit der Menschen vor Gott und untereinander? Warum sind Beziehungen oft so schwierig? Wodurch entsteht bei vielen Menschen wie bei Adam und Eva Misstrauen gegenüber Gott und gegeneinander?

Die Frauen im Stammbaum Jesu (Mt 1,1-17)

Tamar, Rahab, Rut und die Frau des Urija sind Nicht-Jüdinnen, die uns als Opfer und Mitgestalterinnen der Heilsgeschichte vorgeführt werden. Als "Fremde" setzen sie ihr Vertrauen in Jahwe (die Moabiterin Rut folgt ihrer Schwiegermutter Naomi nach Betlehem: ("Dein Gott ist mein Gott"); sie stehen mit leeren Händen, ohne Sicherheiten da. Sie haben nur sich selbst zu verschenken, weil sie sich in Gottes Treue sicher und geliebt wissen.

Fühlen wir uns wie die Frauen im Stammbaum Jesu in Gott so geliebt und geborgen, so dass wir uns selbst vergessen und verschenken können?

Die Kindheit des Mose oder die subversiven Frauen an den Anfängen des Volkes Israel in Ägypten (Ex 1,8-2,15)

Mose verdankt sein Leben dem zivilen Ungehorsam von selbstbestimmten, klugen , auf ihr Gewissen hörenden Frauen, die den Befehl des Pharao, alle israelitischen Knaben zu töten, umgehen und damit nach ihren eigenen ethischen Interessen handeln. Sie folgen der Stimme ihres Herzens, die sie als Stimme Gottes wahrnehmen. Haben wir wie die solidarischen, selbstverantwortlichen, subversiven Frauen um Mose ebenfalls den Mut zum "Ungehorsam", wenn dies notwendig ist?

Versuchen wir mit Hilfe unseres Gewissens unser Urteil über die Wirklichkeit zu schärfen? Übernehmen wir für unser Handeln Verantwortung vor uns selbst, unseren Mitmenschen und vor Gott?

Maria (Mt 1,16-24; 12,46-48; 13,55. Lk 1,26-56; 2,1-52. Joh 2,1-12; 19,25-27. Apg 1,14)

Über die Gottesmutter ist wenig Biographisches in der Bibel zu finden. Sie begegnet uns als unabhängige, freie Frau, die von Gott um ihr Einverständnis mit Seinem Plan für ihr Leben gefragt wird. Von Leid und Sünde umstrickt, bleibt Maria als "Unbefleckte Empfängnis" von allem Bösen unberührt. Der Engel nennt sie "Begnadete", was im Griechischen kecharitoménä bedeutet: "die Schöngemachte und Schönseiende", die Frau, die Gott "charmant" findet. Ihre Jungfernschaft lebt sie als ganzheitliches Frau-Sein, aus sich heraus entschieden für Gott, als Mutterschaft schlechthin. Ihr "Reinheit" bedeutet "Staunen" - Offenbleiben für Gott, Freiheit für den Glauben.

Ist unser Glaube an Gott, unser Vertrauen in Ihn stark genug, dass wir - wie Maria - in freier und unabhängiger Liebe "Ja" sagen zu Seinem Plan für unser Leben?

Frauen um Jesus

Im AT machen Frauen in ihrem oft schweren Leben tiefe Gotteserfahrungen (Judith, Ester). Frauen des NT begegnet Gott in Jesus; sein von Berührungsängsten freier Umgang mit ihnen wertet sie auf und gleicht sie in ihrem Status den Männern an. Jesus provoziert dadurch seine Umgebung, aber Menschen sind ihm wichtiger als gesellschaftliche Vorurteile. * Seine Erlaubnis, sich ihm anzuschließen, bewirkt bei einer Gruppe von Frauen, alles hinter sich zu lassen, ihn (finanziell) zu unterstützen und seine Jüngerinnen zu werden.
Sie sind bereit (wie Maria von Magdala [Mt 28,1; Lk 8,2; Joh 19,25; 20,1. 11-18]), ihr bisheriges Leben aufzugeben und ihm bis unters Kreuz nachzufolgen. Sie werden die ersten Verkünderinnen seiner Auferstehung - Maria von Magdala, von Jesus beim Namen gerufen, lässt sich von ihm zu einem neuen Leben als Apostolin beauftragen.

Sind auch wir offen dafür, alte Lebensentwürfe, Gewohnheiten, Sicherheiten in Frage zu stellen, aufzugeben und unser Leben zu ändern? Lassen wir uns wie Maria Magdalena von Jesus beim Namen rufen und mit einem neuen Lebensauftrag betrauen?

Marta und Maria von Bethanien (Lk 10,38-42) gehören zu einer zweiten Gruppe von Frauen um Jesus: Sie öffnen ihr Haus für ihn, nehmen ihn auf und pflegen freundschaftlichen Umgang mit ihm.
Marta, die Sorgende, möchte Maria, die Hörende, von ihrem selbstgewählten Platz zu Füßen des Herrn in ihre traditionelle (Haus)Frauenrolle zurückholen. Doch Jesus gibt seine Erlaubnis zum selbstbestimmten Zuhören der Maria (nur Schüler durften zu Füßen der Lehrer sitzen!!) und gesteht damit auch den Frauen das Recht auf ungeschmälerte Jüngerschaft zu.

Sind wir bereit, wie Maria und Marta unsere (hausfraulichen) Pflichten zu erfüllen, uns aber auch "zu Jesu Füßen" zu setzen und Ihm mit ungeteilter Aufmerksamkeit zuzuhören?

Frauen, die Jesus begegnen Jesu Umgang mit Frauen wird von der patriarchalischen jüdischen Männergesellschaft kritisiert, die Frauen aber, die sich in ihrer Not an ihn wenden, erleben in ihm den tröstenden, heilenden Gott, der sie in ihrer Würde achtet und stärkt.
Die gekrümmte Frau (Lk 13,10-17)

Die Heilung der gekrümmten Frau am Sabbat zeigt die frommen Männer zwar als regeltreu, aber als zynisch und menschenverachtend. Am Ende sind sie beschämt, die von Jesus "aufgerichtete" Frau jedoch preist Gott.

Sind auch wir "Sakrament", Heilung für andere Menschen, die von ihrem Leben "gekrümmt" sind? Richten wir sie auf und lassen auch wir uns aufrichten?

Die blutende Frau (Mk 5,25-37)

Die blutende Frau, durch ihr Leiden "unrein", isoliert, sozial geächtet, voll Scham, hat dennoch den Mut, Jesu Gewand zu berühren im festen Glauben, dadurch geheilt zu werden. Von Jesus wird sie aus ihrer Anonymität und Isolation herausgerufen, sie muss Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Ihr Glaube hat ihr geholfen - in ihrem neuen Selbstwertgefühl soll sie sich nie mehr schämen müssen.

Sprechen wir leidende, schamerfüllte Menschen in ihrer - oft isolierten - Lebenssituation an und verhelfen ihnen dadurch zu einer Stärkung ihres Selbstwertgefühles? Haben wir wie die blutende Frau den Mut, unsere Anonymität und Isolation aufzugeben, Verantwortung zu übernehmen und an Jesus als den heilenden Gott zu glauben?

Die heidnische Frau (Mt 15,21-28)

Selbstbewusst und unbeirrbar drängt die heidnische Frau Jesus, ihre Tochter von Dämonen zu befreien. Dieser - obwohl nur zu den "Kindern Israels" gesandt - schenkt in aller Menschlichkeit auch einer Angehörigen der "Hunde" (Heiden) Hilfe und Heilung.

Sind wir bereit, den "Anderen", jenen, die nicht "zu uns" gehören, Zuwendung und tatkräftige Unterstützung zu schenken? Sind wir selbst im Glauben stark genug, wie die heidnische Frau hartnäckig Gottes Hilfe zu erbitten, auch wenn wir uns scheinbar nicht erhört fühlen?

Die salbende Frau (Mk 14,3-9)

Ärger und Befremden erregt jene Frau, die bei einem Gastmahl Jesu Kopf mit einem kostbaren Öl salbt. Sie erweist ihm mit ihrem verschwenderischen Tun ihre übergroße Liebe, sie handelt nach ihrem Herzen und fragt nicht nach dem materiellen Wert des Salböls.

Für wen und wie "verschwenden" wir wie die salbende Frau unsere materiellen Güter, unsere Liebe, uns selbst? Der Pfarrer von Ars sagt: Am Ende unseres Lebens besitzen wir nur das, was wir verschenkt haben.

Jesus und die Ehebrecherin (Joh 8,2-11)

Die Ehebrecherin sucht die Begegnung mit Jesus nicht freiwillig, sie wird vor ihn hingeschleppt, ihre Ankläger fordern - gesetzestreu - ihre Steinigung. Jesus löst sein Dilemma zwischen Treue zu Gott (Vergebung) und Treue zum Gesetz (Steinigung), in dem er die Ankläger auf ihre eigenen Sünden hinweist. Nun lassen sie die Steine fallen, gehen beschämt fort und die Frau bleibt mit Jesus allein. Auch er verurteilt sie nicht - diese Erfahrung gibt ihr die Chance, sich selbst neu zu sehen und ihr Leben zu ändern.

Halten wir Steine für eine Lösung? Verurteilen und richten wir, wo wir - selbst nicht ohne Sünde - vergeben sollen? Ist das "Gesetz" oder die Menschlichkeit Maßstab unseres Handelns? Erkennen wir die Chance, wie die Ehebrecherin in der Begegnung mit Jesus uns selbst neu zu sehen, wenn auch wir nicht verurteilt werden, sondern Vergebung und Verzeihung erhalten?

Jesus und die Samariterin (Joh 4,4-42)

Die Frau am Jakobsbrunnen wundert sich, als samaritanische "Ausländerin" von Jesus um Wasser gebeten zu werden. Auf ihre Lebensweise angesprochen, versucht sie zuerst auszuweichen, stellt sich aber im Gespräch mit Jesus schließlich der Wahrheit ihres Lebens. Voll Begeisterung erzählt sie in ihrem Dorf von dieser Begegnung und begeistert damit auch andere. Sind auch wir bereit, uns wie die Samariterin von Jesus "anreden" zu lassen, unser Leben, ohne auszuweichen, mit Ihm zu besprechen und uns dadurch von Ihm erneuern zu lassen?

Erzählen wir auch anderen "begeistert" von Gottes Liebe und Güte zu allen Menschen?

Ein Satz von Dag Hammerskjöld auf einem Bild neben der Hauskapelle in St. Gabriel ist für mich wie eine Essenz aus den Exerzitien, ein Lebensprogramm:

Jeden Morgen soll die Schale unseres Lebens hingehalten werden, um aufzunehmen, zu tragen und zurückzugeben.

Am Mittwoch gab es noch einen Vortrag über Paulus um die Frauen. Hier eine Zusammenfassung in ganz kurzen Worten zu geben ist fast unmöglich. Außerdem wurde von den Teilnehmerinnen der Wunsch geäußert die nächsten Exerzitien unter dieses Thema zu stellen.
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