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Österreichische Arbeitsgemeinschaft
der diözesanen Berufsgemeinschaften der Pfarrhaushälterinnen
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Sag mir, wo der Weg ist!
Der Beruf der Pfarrhaushälterin und der Weg der Kirche Gedanken zum Jubiläumsfest 2001 in Mariazell

Foto: Maria Gaismeier

Von der Zuversicht war beim großen Jubiläum die Rede.
Zuversicht hat mit Zukunft zu tun. Zukunft aber ist immer verhüllt und muss erst entdeckt werden. Auch den Weg der Kirche in die Zukunft gibt es neu zu entdecken. Damit verbunden ist auch der Dienst der Pfarrhaushälterin. Den Weg noch nicht kennen heißt nicht, dass es den Weg nicht gibt. "Suchet und ihr werdet finden" (Mt 7,7) sagt Jesus mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit. Ob das auch hier gilt?

Wenn ich in die Zukunft schaue, muss ich noch nicht ganz genau wissen, wie diese Zukunft im Detail ausschauen wird. Abraham hatte bei seiner Berufung nicht die geringste Ahnung, welche Gestalt sein neuer Weg haben sollte. Er wusste nur, dass er zum Segen vieler wird. Allein diese Zusage Gottes war ihm sicher. Könnte man das nicht auch über das Leben einer Pfarrhaushälterin schreiben? Das ist es doch, was wir auch von ihrem Dienst in der Kirche sicher wissen: dass sie Vielen zum Segen ist.

Verschieden werden in Zukunft die Formen dieses Dienstes sein. Das Berufsbild hat sich radikal gewandelt und wird sich weiter wandeln. Es wird eine spannende Aufgabe sein, in nächster Zeit bei der Verschiedenartigkeit der Formen dieses Dienstes den Weg zu finden, der die Zeitlosigkeit dieses Dienstes ausmacht. Das hängt sicher auch von der gesellschaftlichen Situation unserer Zeit ab. Wie kann da die Kirche in unseren Breiten ihre Aufgabe heute am Besten erfüllen? Da spielt eben auch das Pfarrhaus eine wichtige Rolle. Es übernimmt gleichsam auch eine Brückenfunktion zu den Menschen in der Gemeinde.

In diesem Geschehen steht die Pfarrhaushälterin mit ihrem Dienst mitten drinnen. Die Kirche sieht immer den ganzen Menschen und weiß, dass sein Glaube auch eine menschliche Heimat braucht. Wo die Pfarrhaushälterin diesen Dienst der Beheimatung für Pfarrer und Pfarrgemeinde wahrnimmt, wird ihr Dienst zeitlos gültig und unverzichtbar. Wachsende Anonymität und Entfremdungserscheinungen in der Gesellschaft lähmen das Leben der Kirche. Umso wichtiger wird es in Zukunft sein, dass Christen sich sammeln und Christengemeinden ihre Zusammengehörigkeit ermutigend erfahren.

 

Dass dabei Christus die Mitte ist, drückt sich auch in einer menschlichen Mitte aus: Ein einladendes Pfarrhaus. So nimmt die Pfarrhaushälterin mit dem Priester als dem Diener der Einheit und mit der ganzen Pfarrgemeinde diesen Dienst der Einheit wahr. Ihr Dienst wird gleichsam Teilhabe am Christusdienst. Einheit war ja ein zentrales Anliegen Jesu.

Wenn das Pfarrhaus in Zukunft für die Pfarrhaushälterin auch nicht immer die menschliche Beheimatung sein kann, weil etwa der Schwerpunkt ihrer Lebensbezüge in einer Familie andernorts liegt, so kann sie doch auch durch Teilzeitarbeit das Pfarrhaus mit heimatlichem Geist erfüllen, der sammelt, zusammenführt und Begegnung im Glauben ermöglicht.

  Wo aber in Zukunft wegen des Priestermangels mehrere gewachsene Pfarren zusammengefasst und von einem oder mehreren Priestern begleitet werden, wird das Pfarrhaus der Wohnpfarre der Priester an zentraler Bedeutung gewinnen. Und wieder wird es die Pfarrhaushälterin sein, die dann diesem Haus als Pfarrhaus seine Vollgestalt gibt und es mit Leben erfüllen wird.
  Wo nach der Vorgabe des Konzils dem Gottesvolk eine selbsttragende Kraft zugesprochen ist, da braucht es neben der hierarchischen Leitungsaufgabe ganz wesentlich die beziehungsschaffende und gemeinschaftsstiftende Kraft der Integration, welche die Pfarrhaushälterin wesentlich trägt und mitbestimmt. Immer schon hat die Kirche den Dienst am Schönen, Gepflegten, Geordneten sehr ernst genommen und wurde so auch zu einer kulturschaffenden Kraft, die den Glauben fördern sollte. Die Sehnsucht danach ist zeitlos. Gerade darin eröffnet sich im Pfarrhaus auch ein weites Feld von Möglichkeiten, schöpferische Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Viele Pfarrhaushälterinnen haben sich dabei ganz neu entdeckt.
  Und in vielen weiteren unverzichtbaren Belangen könnte der Pfarrhaushalt Antwort auf Mangelerscheinungen unserer Zeit werden. Das ganzheitliche Menschenbild, das nicht mehr allein die Sorge um die Seele kennt, sondern immer den ganzen Menschen im Auge hat, hat das gepflegte Pfarrhaus immer schon gekannt. Dieses Verständnis von Pastoral hat auch das Konzil wieder neu aufgegriffen und das Pfarrhaus dadurch ebenso wieder in eine neues Licht gestellt. Ein kirchliches Berufsbild, das zeitlos lebensfüllende Perspektiven in sich schließt!
Der Dienst im Pfarrhaus ist nicht ein Handlangerdienst, sondern ein qualifizierter kirchlicher Dienst mit hoher Sach- und Personalkompetenz, in dem auch eine entscheidende Aufwertung der Frau in diesem Berufsstand liegt.
  Ein hoher Anspruch einer reifen Persönlichkeit liegt diesem Dienst zugrunde, den eine Pfarrhaushälterin für den Priester und mit dem Priester verantwortlich mitträgt.
So steht die Pfarrhaushälterin mit dem Priester am Wendepunkt der Kirche auf dem Weg in eine neue Zeit. So wie das Volk Israel damals beim Eintritt in das gelobte Land vor einer neuen und unbekannten Welt stand. Es schickte Kundschafter voraus, um zu erkunden, wie dieses neue Land ausschaut. Das wird auch unsere Aufgabe sein. Es wird spannend werden, in dieser großen Vielfalt eines fruchtbaren Landes den neuen Weg zu finden.
  Gibt es etwa solche Menschen noch, die sich auf einen so spannenden Weg einlassen?
  * Es sind Menschen mit der heimlichen Triebkraft der Freude an spannenden neuen Wegen, die aus der Erfahrung einer Berufung wächst.
  * Es sind Menschen, die nicht nur für sich selbst allein leben wollen, sondern gerne auch für andere da sein und arbeiten wollen.
  * Es sind Menschen, die noch einmal mehr aus ihrem Leben machen wollen.
  * Es sind Menschen, die gerne in Freiheit etwas aufbauen und entwickeln wollen, das für andere wichtig werden kann.
  * Es sind Menschen, die um die zugesagte Verheißung wissen, dass denen, deren alter Weg abgeschnitten erscheint, ein neuer Weg offen steht ...