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Österreichische Arbeitsgemeinschaft
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Studientag der ÖAG
20./21.10 2008

" Trauernde begleiten" -


Foto: Kopeszki

Referentin war Frau Mai Ulrich von der Hospizbewegung-Salzburg.

Zuerst wurde einmal klargestellt, dass Trauer etwas ganz Normales ist, dass sie jede/r von uns erlebt - keine Krankheit. Nur nicht zugelassene und durchlebte Trauer kann krank machen. Trauer gehört wie Freude zu unserem Leben und begleitet uns. Sie ist Antwort auf einen Verlust. Jede/r hat ihre/seine eigene Form zu trauern; und jede/r ist für das eigene Leben ein Experte. Trauer zuzulassen und durchzuleben ist heilsam und dient dazu, uns dem Leben neu zuzuwenden. Trauern heißt mit dem eigenen Inneren in Kontakt zu sein und damit lebendig zu werden und zu sein.

Es gibt vieles, was wir als Verlust erleben und daher auch vielfältige Ursachen der Trauer: Trennungen, Kränkungen, nicht erfüllte Hoffnungen, nicht erreichte oder erreichbare Ziele (Beruf), nicht erfüllte Ideale (Eltern, Familie, ..), Tod, Krisen im Zusammenleben, Krankheit und Alter, .....
Obwohl die Trauer und der Umgang damit sehr individuell ist, gibt es Gemeinsamkeiten in der Reaktion und im Ablauf. Trauer erfasst den ganzen Menschen in seinem Wesen - Seele, Geist und Körper. Der Trauerprozess zeigt sich auf verschiedenen Ebenen:
* emotionale Ebene - ein Chaos an Gefühlen, Angst, Wut, Hass, Ohnmacht, Schuldgefühl, Wehmut, Dankbarkeit, Liebe, ....
* körperliche Ebene - Erschöpfung, Unruhe, Schwindel, Herzrasen, Kopfschmerzen, allgemeine Schmerzen, Ess- und Schlafstörungen

* kognitive Ebene - Verleugnung, Gedankenrasen, Gedankenleere, ...

* Verhaltensebene - Rückzug, Isolation, Betäubung, Apathie, ...

Meist verläuft Trauer in bestimmten Phasen, die immer wieder kommen können, unterschiedlich lange dauern und nicht ein für allemal abgehakt werden können. Jede Phase hat ihre eigene Aufgabenstellung, die uns reifen lassen wollen. Wir unterscheiden:
* Ich doch nicht - Nicht wahr-haben-können-wollen: Schock, betäubt, fassungslos sein, wie gelähmt, starr, überwältigt, ... man funktioniert, man spürt sich nicht mehr. Das ist ein Schutzmechanismus. Aufgabe: den Verlust als Realität annehmen, wahr haben, was passiert ist
* warum gerade ich? - chaotische Gefühle, Wut und Widerstand, Ärger und Verzweiflung, ... Aufgabe: Anerkennung des Verlustes und Ausdruck der Trauer, Gefühle zulassen und aushalten.
* Was bleibt mir? Suchen und Finden, Sich trennen: in Träumen, Auseinandersetzung und Anpassung an die Realität, Beschäftigung mit Erinnerung (gemeinsame Orte) und Schuldgefühlen, wieder dazulernen (Lebensstil); Aufgabe: Verinnerlichung des Verlorenen, Trennung vollziehen, Verlust kann (soll) sich in Dankbarkeit verwandeln, für das was ich erlebt habe, für das, was aus mir herausgeliebt wurde, für den gemeinsamen Weg. Im Unterschied zu Resignation führt die echte Annahme wieder in die Gegenwart.
* Ja ich! - Zustimmung - es ist in Ordnung so wie es ist, neuer Weltbezug: Neuorientierung, das veränderte Leben gestalten, neue Aufgaben kommen in den Blick (Freundeskreis, Arbeit, ..) neue Liebe strömt wieder.
Trauer braucht Raum und Zeit, Erlaubnis und Mittel und Wege des Ausdrucks.
Was kann helfen beim Umgang mit Trauernden?
Es gibt kein allgemeingültiges für jede Situation passendes Rezept. Nicht Eingelerntes zählt, sondern, was ich bin. Das wichtigste ist Zuwendung und den anderen aushalten, einfach da zu sein. Der andere ist wichtig, alles, was ich sage soll ein Angebot und eine Begleitung sein. Rat"schläge" vermeiden. Sind meist Ausdruck der eigenen Hilflosigkeit.
* praktische Hilfen anbieten, die Zeit und Raum geben
* über den Verlust sprechen (lassen)
* Negatives bei sich und den anderen zulassen und nicht persönlich nehmen
* Mitgefühl statt Mitleid zeigen
* trösten - nicht vertrösten
* Gedenktage für Anteilnahme nützen
* Rituale gestalten - dabei die drei Stufen beachten - den Verlust bekräftigen, der Trauer Ausdruck geben und auf das Lebendige verweisen.
* kreative Ausdrucksmöglichkeiten können helfen auch nicht getätigte Abschiede auf symbolischer Ebene nachzuholen (Brief schreiben, .. malen, Musik, Bewegung)
Diese theoretischen Ausführungen sind die Zusammenfassung dessen, was unsere Erfahrungen aufzeigten. Den Montagabend beendeten wir einem Ritual. Wir zündeten für jemanden eine Kerze an und im Lichtertanz zeigten wir einander symbolisch unsere Trauer. Wir bewegten uns aber auch vorwärts und richteten unseren Blick auf das Umfeld. Schon das Wissen, dass jede/r in irgendeiner Form einen Verlust trägt, schuf Gemeinschaft und Geborgenheit. Am Ende des Studientages tanzten wir dann noch den Kanon "Wechselnde Pfade, Schatten und Licht. Alles ist Gnade, fürchte dich nicht."
Susanne Kopeszki (RB der ED Wien 4/08)